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Schon Brandenburger und Franzosen hausten im alten
Rittersitz

Die wechselvolle Geschichte des Gut Groß-Winkelhausen
Von P. HERDER

Wenn wir von Burgen sprechen, denken wir immer nur an diejenigen
Schlösser, die von stolzen Höhen herunterschauen und vergessen dabei,
dass es eine ganze Anzahl einst ritterbürtiger Sitze im weiten Flachland
gibt, die unbedingt beachtenswert sind. Vergessen, wie die meisten Burgen
am Niederrhein, liegt auch Haus Winkelhausen, jetzt nur noch ein
Bauerngut, in der Nähe von Huckingn.

Interessant sind die Burgen des Flachlandes aus dem einen Grunde, weil sie sich oft besser erhalten haben als die auf den Bergen, weil sie in Kriegszeiten den feindlichen Truppen nicht so sehr in die Augen stachen. Nicht war die schroffe Bergeshöhe diesen Burgen ein Schutz, sondern der breite Wassergraben, der öfter die Burgen in doppeltem Kranze umgab.

Der Name Winkelhausen deutet schon darauf hin, dass das feste Haus in einer waldreichen Gegend errichtet worden ist. Aber schon früh begann man mit der Rodung, die Wälder verwandelten sich in üppige Felder, so wurde aus der Burg ein Gut. Da um die Burg keine Wälder mehr lagen, war der Rittersitz Winkelhausen an der Buchholzer Gemark beteiligt.

Zuerst hören wir von Winkelhausen im Jahre 1288. In diesem Jahre wird es als ein adliger Sitz genannt. Zu jener Zeit war es im Besitz der Herren von Winkelhausen; sie nannten sich alle nach der Burg. Ein Johann von Winkelhausen wird 1334 als Burggraf von Kaiserswerth genannt, während ein anderer Johann 1400 Amtmann zu Benenburg war, er wird in einer Urkunde als Zeuge genannt.

Dann hören wir lange Zeit kaum etwas von dem Rittersitz. Aus den Rittern waren sesshafte Gutsbesitzer geworden. Nur in den verschiedenen Ämtern finden wir die Herren von Winkelhaus wieder. So war 1622 Wilhelm von Winkelhausen Amtmann zu Angermund, mit welchem Amt ihm dort die Gerichtsbarkeit unterstand. Dass die Besitzer von Winkelhausen auch öfter nach Düsseldorf kamen, besonders zu den Landtagen, bezeugt, dass sie dortselbst ein eigenes Haus besaßen. Es ist uns bekannt, dass dem Junker von Winkelhausen im Jahr 1632 das Haus Liefergasse 22 gehörte, die „Krim” genannt. Dieser Adelshof ist 1913 abgebrochen worden. Die Freiin Johanna Maria von Winkelhausen brachte das Gut 1655 an ihren Gatten Arnold Freiherr von Wachtendonk.

In der folgenden Zeit hören wir den Namen Winkelhausen nur dann, wenn feindliche Gruppen die Burg besetzten oder gar brandschatzten. Im Kriege gegen Ludwig XIV. von Frankreich unternahmen 1651 die Brandenburger einen Streifzug nach Winkelhausen, wobei das feste Haus schwer beschädigt wurde. In den Kämpfen 1689 und 1690 erhielt Winkelhausen eine Besatzung von 70 Reitern und 100 Fußsoldaten. Zwar wies anfänglich der Freiherr von Wachtendonk, der Besitzer der Burg und auch des Schlosses zu Kalkum, die Truppen ab, da sie keinen Befehl von Kurprinz Johann Wilhelm anzeigen konnten. Später kam jedoch von Düsseldorf Befehl, die Truppen aufzunehmen, welche nun bis Juni dort verblieben. Als sie von dannen zogen, hatte die Burg schwer gelitten. Der Landtag bewilligte dann eine Entschädigungssumme von 600 Reichstalern.

Die Schäden der Winkelhausenschen Güter durch die Franzosenbesatzungen in dem Schlesischen Kriege 1741 betrugen allein 16.481 Reichstaler.

Der Torbau mit dem barocken Portal und ein Teil der Wohngebäude entstammen dem 17. Jahrhundert. Wie reich die Gegend ehemals an Wild war, bezeugten bis vor wenigen Jahren die Hirschläufe, die an den beiden Torflügeln angenagelt waren. Jetzt sind es nur noch wenige. Gegenüber dem Eingang der Burg liegt auf der rechten Angerseite eine kleine im Barockstil errichtete Schlosskapelle. Die Burg ist jetzt im Besitz der Fürsten von Hatzfeld.

Das feste Haus Winkelhausen gehört zur Pfarre von Wittlaer. Bis ins 19. Jahrhundert hinein führte die Pfarrprozession am Fronleichnamstage durch die ganze Pfarre bis zur Kapelle von Winkelhausen, wo die Mittagsrast eingelegt wurde. Zu diesem Zweck waren um die Kapelle eine Reihe Buden errichtet, in denen die Mitglieder der Prozession sich erfrischen und allerlei Krimskrams kaufen konnten. Dieses war dann die Winkelser Kirmes.

Wer Haus Winkelhausen einmal besuchen will, der gehe am besten im Spätsommer, wenn das Getreide schwer auf den Feldern steht und fleißige Hände beschäftigt sind, die Ernte hereinzuholen. Dann wird man verstehen, warum dort am Niederrhein so viele Rittersitze sind.

© Düsseldorfer Heimatblätter

 
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